Affiliate Marketing für Selbstständige: Praxis-Guide 2026

Affiliate Marketing ist für Selbstständige eine etablierte Methode, Reichweite zu monetarisieren — durch Provisionen bei Verkäufen, die über die eigene Empfehlung zustande kommen. 2026 dominieren vier Programme im DACH-Raum: Amazon PartnerNet, Awin, Digistore24 und Belboon. Realistische Erträge nach 12 Monaten liegen zwischen 800 und 8.000 Euro monatlich, abhängig von Nische, Traffic und Konversionsstrategie.

📋 Kurz zusammengefasst

Affiliate Marketing für Selbstständige funktioniert 2026 am besten in spezialisierten Nischen mit klarem Käufer-Intent. Die vier dominierenden Programme im DACH-Raum: Amazon PartnerNet (3–12 % Provision, breite Produktpalette), Awin (Premium-Anbieter, höhere Margen 8–25 %), Digistore24 (digitale Produkte, Provisionen 30–70 %), Belboon (Mittelstand und KMU). Wirksamste Site-Typen: Vergleichs-Portale, spezialisierte Magazine, lokale Service-Verzeichnisse. Realistische Aufbauzeit bis stabilem Cashflow: 9–15 Monate.

Was ist Affiliate Marketing und wie funktioniert es?

Affiliate Marketing ist eine Performance-basierte Monetarisierung, bei der ein Selbstständiger Provisionen für vermittelte Verkäufe oder Leads erhält. Der Mechanismus: Empfehlungs-Link mit Tracking-Code wird auf eigener Webseite oder in Newsletter platziert, beim Klick wird ein Cookie gesetzt, bei späterer Conversion erhält der Affiliate eine Provision. Cookie-Laufzeit variiert zwischen 24 Stunden und 90 Tagen je nach Programm.

Die Wirkungsweise lässt sich in vier Schritten beschreiben:

Schritt 1: Affiliate-Anmeldung. Der Selbstständige registriert sich beim Affiliate-Programm eines Anbieters oder Netzwerks. Nach Prüfung der Site (oft binnen 1–7 Tage) wird der Account freigeschaltet.

Schritt 2: Link-Generierung. Im Affiliate-Dashboard werden Tracking-Links für die gewählten Produkte erstellt. Jeder Link enthält einen Tracking-Code, der den Affiliate eindeutig identifiziert.

Schritt 3: Platzierung und Klick. Der Tracking-Link wird auf der eigenen Webseite, in Newslettern, in Social-Media-Posts oder Foren platziert. Wenn ein Leser klickt, wird ein Cookie im Browser gesetzt.

Schritt 4: Conversion und Provision. Kauft der Leser innerhalb der Cookie-Laufzeit, erhält der Affiliate eine Provision. Auszahlung erfolgt typischerweise monatlich nach Erreichen eines Mindestbetrags (10–100 Euro).

Die Provisions-Höhe variiert dramatisch nach Branche und Programm: Amazon zahlt 3 bis 12 Prozent je nach Produktkategorie. Digitale Infoprodukte über Digistore24 zahlen oft 30 bis 70 Prozent. Premium-Marken über Awin liegen bei 8 bis 25 Prozent. Software-as-a-Service-Anbieter wechseln häufig zu wiederkehrenden Provisionen über die gesamte Kunden-Laufzeit.

Welche Affiliate-Programme dominieren den DACH-Raum 2026?

Vier Affiliate-Programme dominieren 2026 den DACH-Raum: Amazon PartnerNet als breitester Anbieter mit fast jedem physischen Produkt, Awin als Premium-Netzwerk mit Mid-Tier-Marken, Digistore24 als deutscher Marktführer für digitale Produkte und Online-Kurse, und Belboon als spezialisiertes Mittelstands-Netzwerk. Jedes Programm hat eigene Stärken und passt zu unterschiedlichen Selbstständigen-Profilen.

Amazon PartnerNet

Das Amazon-Partner-Programm ist die breiteste Affiliate-Quelle 2026. Vorteile: praktisch jedes physische Produkt verfügbar, sehr hohe Marken-Vertrauenswürdigkeit, optimierte Mobile-Conversion, einfache Link-Erstellung über das SiteStripe-Tool.

Provisions-Struktur 2026 (auszugsweise):

  • Bücher und Zeitschriften: 5 %
  • Möbel: 6 %
  • Küchengeräte: 4,5 %
  • Bekleidung: 7 %
  • Schönheit und Pflege: 7 %
  • Sport-Equipment: 5,5 %
  • Spielzeug: 7,5 %
  • Elektronik: 2,5 %
  • Gartenprodukte: 5,5 %

Cookie-Laufzeit: 24 Stunden, bei explizitem Warenkorb-Adding 90 Tage. Auszahlung ab 25 Euro monatlich (Banküberweisung).

Nachteil: niedrige Provisions-Sätze, kurze Cookie-Laufzeit, regelmäßige Kategorien-Anpassungen mit Provisions-Senkungen.

Awin

Awin ist das größte Affiliate-Netzwerk in Deutschland mit über 25.000 Werbetreibenden. Es vermittelt Premium-Marken und Mid-Tier-Anbieter. Provisions-Sätze typischerweise zwischen 8 und 25 Prozent.

Branchen-Schwerpunkte:

  • Mode und Beauty (H&M, Douglas, Zalando)
  • Reisen (Booking, Tui, FTI)
  • Finanzdienstleistungen (DKB, Comdirect, ING)
  • Software und SaaS (Webhoster, Buchhaltung)
  • Telekommunikation (Vodafone, 1&1)

Cookie-Laufzeit meist 30 Tage. Auszahlung ab 20 Euro monatlich. Aufnahme erfordert eine Site mit erkennbarem Content und Mindest-Traffic — typischerweise 1.000+ Besucher monatlich.

Digistore24

Digistore24 ist der führende deutsche Marktplatz für digitale Produkte — Online-Kurse, E-Books, Membership-Programme, Software. Provisions-Sätze außergewöhnlich hoch: 30 bis 70 Prozent, manchmal sogar 100 Prozent bei Funnel-Strategien (Frontend-Verkauf mit hohem Backend-Upsell).

Stärken:

  • Sehr hohe Provisions-Sätze
  • Lange Cookie-Laufzeit (oft 60–180 Tage)
  • Großer deutschsprachiger Markt
  • Direkt-Zahlung an Affiliate (kein Wartezeit-Modell)

Schwächen:

  • Hohe Anteile von Coaching- und Mindset-Produkten teils zweifelhafter Qualität
  • Reputations-Risiko bei Bewerbung schlechter Produkte
  • Funnel-getriebener Verkaufsstil oft anti-thematisch zu seriösem Content

Belboon

Belboon ist ein deutsches Affiliate-Netzwerk mit Schwerpunkt Mittelstand und KMU. Provisions-Sätze 5 bis 20 Prozent. Cookie-Laufzeit typischerweise 30 Tage.

Geeignet für Solopreneure, die auf weniger bekannte deutsche Mittelstands-Marken setzen — Spezial-Elektronik, Werkzeug, B2B-Software, Sport-Nischen.

Welche Site-Typen funktionieren am besten für Affiliate?

Vier Site-Typen funktionieren 2026 besonders gut für Affiliate-Marketing: Vergleichs-Portale (Top-X-Listicles, Produktvergleiche), spezialisierte Magazine (Branchen-Nischen mit Käufer-Intent), lokale Service-Verzeichnisse (Geo-targetierte Empfehlungen) und Review-Sites (tiefe Einzelproduktbewertungen). Jeder Typ hat eigene Aufbau-Logik und Conversion-Profile.

Vergleichs-Portale

Vergleichs-Portale wie «Top 10 Fahrradhelme 2026» oder «Beste Buchhaltungs-Software für Solopreneure» kombinieren strukturiertes Vergleichen mit Affiliate-Monetarisierung. Erfolgs-Faktoren:

  • Mindestens 5 bis 12 verglichene Produkte mit echten Bewertungen
  • Übersichtstabelle mit Preisen, Features, Pro-Contra
  • Detailprofile pro Produkt mit ehrlichen Schwächen
  • Klare Empfehlung pro Zielgruppe («Bestes Tool für X», «Bestes Tool für Y»)
  • Tracking-Links als Buttons, nicht versteckt im Text

Conversion-Raten: 4 bis 12 Prozent bei Vergleichs-Inhalten — deutlich höher als bei reinen Review-Sites.

Spezialisierte Magazine

Spezialisierte Magazine bedienen klar abgegrenzte Nischen mit hoher Käufer-Intention. Beispiele: Hifi-Magazin, Outdoor-Trekking-Magazin, Fotografen-Magazin, Steuer-Tipps für Solopreneure.

Hier funktioniert Affiliate nicht über reine Vergleichs-Artikel, sondern als beiläufige Empfehlung im redaktionellen Content. Tipps zu konkreten Produkten werden mit Affiliate-Link versehen, ohne den redaktionellen Charakter zu beschädigen.

Lokale Service-Verzeichnisse

Lokale Service-Verzeichnisse wie «Beste Yoga-Studios in Berlin» oder «Steuerberater für Yoga-Studios München» kombinieren lokale Relevanz mit Affiliate-Monetarisierung (Lead-Affiliate bei lokalen Dienstleistern, Produkt-Affiliate bei begleitenden Empfehlungen).

Konversionspfade typisch:

  • Suchender findet Verzeichnis-Seite über Google
  • Liest Vergleich der lokalen Anbieter
  • Klickt auf empfohlenen Anbieter → Affiliate-Lead oder Anfrage-Conversion

Review-Sites

Tiefe Einzelproduktbewertungen funktionieren bei teuren oder komplexen Produkten — Software-Suiten, Premium-Werkzeug, Spezial-Geräte. Erfolgs-Faktor: echte Eigen-Erfahrung mit dem Produkt, dokumentiert mit Fotos, Videos und konkreten Use-Case-Beispielen.

Conversion-Raten von Review-Sites liegen typischerweise bei 2 bis 6 Prozent — niedriger als Vergleichs-Portale, aber bei teuren Produkten dennoch wirtschaftlich.

💡 Expert Insight

Aus 12 Jahren E-Commerce-Praxis: der häufigste Affiliate-Fehler ist die zu breite Site-Strategie. Solopreneure starten mit «Alles über Outdoor» und scheitern. Wer dagegen eine Nische wie «Trekking-Schuhe für Über-50-jährige» bedient, baut in 12 Monaten Topical Authority auf und konvertiert dramatisch besser. Die schmerzhafte Lehre: niedrige Wettbewerbs-Nischen schlagen breite Themen. Eine spezialisierte Affiliate-Site mit 60 fokussierten Artikeln in einer 200-Euro-Suchvolumen-Nische verdient typischerweise mehr als eine Generalisten-Site mit 600 verstreuten Artikeln. Diese Erkenntnis hat in meinem Portfolio von über 165 Sites die strategische Ausrichtung komplett verschoben — von Reichweiten- auf Konversionspfad-Optimierung.

Welche Strategien funktionieren 2026 wirklich?

Vier Strategien funktionieren 2026 für Solopreneur-Affiliate besonders gut: Topical Authority in spezialisierten Nischen, Vergleichs-Tabellen mit ehrlichen Pro-Contra, lokal-targetierte Service-Verzeichnisse, und Multi-Touch-Funnel über E-Mail-Listen. Diese Strategien kombinieren Sichtbarkeit, Vertrauen und Konversionspfad.

Topical Authority in Nischen

Wer in einer klaren Nische ganzheitliche Coverage aufbaut (50 bis 100 themenfokussierte Artikel), wird zur Referenz für die Nische. Beispiel: eine Site zu «Trekking-Equipment für ältere Wanderer» mit Pillar-Artikeln zu Schuhen, Rucksäcken, Stöcken plus 30 bis 50 Spokes deckt das Thema ganzheitlich ab.

Vorteile: Google-Rankings für 200 bis 1.000 Long-Tail-Keywords, hohe AI-Citation-Rate, starke Conversions durch erkennbare Spezialisierung.

Vergleichs-Tabellen mit Pro-Contra

Vergleichs-Tabellen mit ehrlichen Schwächen pro Produkt konvertieren deutlich besser als reine Lobeshymnen. Käufer suchen Differenzierungs-Argumente — wer sie liefert, gewinnt Vertrauen und Klicks.

Tabellen-Standards:

  • 5 bis 12 verglichene Produkte
  • 6 bis 10 Bewertungs-Kriterien (Preis, Qualität, Features, Service, etc.)
  • Klar markierte Stärken UND Schwächen pro Produkt
  • Eindeutige Empfehlung pro Zielgruppe
  • Affiliate-Links als gut sichtbare Buttons

Lokal-targetierte Verzeichnisse

Lokale Verzeichnisse wie «Top 10 Yoga-Studios in Berlin» kombinieren Service-Verzeichnis-Logik mit Affiliate-Monetarisierung über Lead-Affiliate-Programme oder Produkt-Empfehlungen.

Erfolg basiert auf:

  • Echte lokale Recherche (Studios besucht oder verifiziert)
  • Aktuelle Daten (Öffnungszeiten, Preise, Spezialisierungen)
  • Strukturiertes Vergleichsformat
  • Google Maps Embeds für Vertrauen
  • Saubere lokale SEO-Optimierung

Multi-Touch-Funnel mit E-Mail

Statt direktem Affiliate-Klick führt der Funnel zuerst über Newsletter-Anmeldung. Vorteile:

  • E-Mail-Liste als langfristiger Asset
  • Mehrere Touch-Points vor der Kaufentscheidung
  • Höhere Konversionsraten (bis 25 % bei wertvollen Newsletter-Sequenzen)
  • Cross-Sell-Möglichkeiten für weitere Affiliate-Produkte

Aufbau: Lead-Magnet (Vergleichs-Guide als PDF), Newsletter-Sequenz mit echtem Mehrwert, Affiliate-Empfehlungen als beiläufige Tipps in den E-Mails.

Welche rechtlichen Pflichten gelten für Affiliate-Selbstständige?

Affiliate-Selbstständige in Deutschland müssen 2026 vier rechtliche Pflichten erfüllen: Werbe-Kennzeichnung von Affiliate-Links, Impressum auf der Site, Datenschutzerklärung mit Affiliate-Cookie-Hinweis, und steuerliche Erfassung der Affiliate-Einnahmen. Verstöße können zu Abmahnungen und Strafen führen.

Werbe-Kennzeichnung

Jeder Affiliate-Link muss als werblich gekennzeichnet sein. Akzeptierte Kennzeichnungen:

  • Hinweis am Artikel-Anfang: «Dieser Artikel enthält Affiliate-Links»
  • Sternchen-Symbol nach jedem Affiliate-Link mit Fußnote
  • Direkter Hinweis bei Produkt-Empfehlungen («*Affiliate-Link»)

Fehlende Kennzeichnung ist seit dem Urteil des BGH 2021 als irreführende Werbung abmahnbar. Übliche Abmahnkosten: 800 bis 2.500 Euro.

Impressum

Pflicht-Impressum nach § 5 TMG mit:

  • Vollständigem Namen und Anschrift
  • Kontakt-E-Mail und Telefon
  • Steuernummer oder Umsatzsteuer-ID bei umsatzsteuerpflichtigen Sites
  • Verantwortliche Person für den Inhalt

Datenschutzerklärung

Datenschutzerklärung muss Affiliate-Cookies erwähnen — welche Anbieter setzen Cookies, welche Daten werden erfasst, wie lange werden sie gespeichert. Cookie-Banner mit Opt-in für nicht-essenzielle Cookies (auch Affiliate-Tracking) ist 2026 Pflicht.

Steuerliche Erfassung

Affiliate-Einnahmen sind in Deutschland steuerpflichtige Einnahmen aus selbstständiger oder gewerblicher Tätigkeit. Sie müssen in der Einkommensteuererklärung erfasst werden. Bei Umsätzen über 25.000 Euro Vorjahr greift die Umsatzsteuerpflicht.

⚠️ Wichtiger Hinweis

Affiliate-Marketing-Sites sind beliebte Abmahn-Ziele. Spezialisierte Anwaltskanzleien scannen systematisch nach fehlender Werbe-Kennzeichnung, fehlerhaften Impressen oder unvollständigen Datenschutzerklärungen. Eine Abmahn-Welle kann eine kleine Site existenzbedrohen — typische Abmahnkosten 1.500 bis 5.000 Euro pro Verstoß. Lösung: vor Site-Launch alle drei Pflicht-Bereiche (Kennzeichnung, Impressum, Datenschutz) einmal anwaltlich prüfen lassen (300 bis 800 Euro einmaliger Aufwand). Diese Investition spart in der Praxis fast garantiert mehrere Tausend Euro Abmahnkosten ab.

Welche Erträge sind realistisch?

Realistische Affiliate-Erträge für Solopreneure 2026 hängen von Nische, Site-Größe und Strategie ab. Faustregeln: 0–500 Euro monatlich in den ersten 6 Monaten, 500–3.000 Euro nach 12 Monaten, 3.000–8.000 Euro nach 18–24 Monaten bei konsequenter Arbeit. Top-Performer in lukrativen Nischen erreichen fünfstellige Monatsbeträge — aber das ist selten und das Resultat von 3+ Jahren Aufbau.

Beispielrechnung: Vergleichs-Portal in Mittelklasse-Nische

Eine Vergleichs-Site für «Buchhaltungs-Software für Solopreneure» mit 12 Monaten Aufbau:

  • Organischer Traffic Monat 12: 12.000 Besucher monatlich
  • Affiliate-Klick-Rate: 8 % (960 Klicks)
  • Conversion-Rate: 4 % (38 Käufe)
  • Durchschnittliche Provision: 45 Euro
  • Monatlicher Ertrag: 1.710 Euro

Bei 24 Monaten Aufbau mit etablierter Topical Authority verdoppelt sich der Traffic typischerweise — und damit auch der Ertrag.

Faktoren, die den Ertrag beeinflussen

  • Nische: finanzielle Themen und teure Investments zahlen am besten (Versicherungen, Kredite, B2B-Software)
  • Traffic-Qualität: organischer SEO-Traffic konvertiert deutlich besser als Social-Traffic
  • Content-Tiefe: ausführliche Vergleichs-Artikel konvertieren 2 bis 4x besser als oberflächliche Listicles
  • Vertrauen: transparente Pro-Contra-Bewertungen konvertieren besser als reine Werbung
  • Mobile-Optimierung: 65 Prozent der Affiliate-Klicks kommen 2026 von Mobile

Welche Fehler killen Affiliate-Sites?

Sechs Fehler killen Affiliate-Sites systematisch: zu breite Nische ohne Topical Authority, fehlende Differenzierung gegen Konkurrenz, schwache Vergleichs-Tabellen, mobile-unoptimierte Site, fehlende Werbe-Kennzeichnung, kein E-Mail-Aufbau. Jeder Fehler verzögert den Cashflow um 6 bis 18 Monate.

Zu breite Nische ohne klare Topical Authority. «Alles über Tech» wird in Google nie ranken, weil Konkurrenten wie Computer Bild oder Heise schon dominieren. «Refurbished Laptops für Studierende» dagegen ist eine bearbeitbare Nische.

Fehlende Differenzierung. Wer dieselben Top-10-Listen schreibt wie 50 andere Sites, kommt nicht über die SERP-Mittelfeld-Stagnation hinaus. Differenzierung durch eigene Tests, originale Daten, neue Bewertungskriterien.

Schwache Vergleichs-Tabellen. Tabellen ohne klare Pro-Contra, ohne ehrliche Schwächen, ohne Empfehlung pro Zielgruppe konvertieren schlecht. Wer sie auch noch hinter «Affiliate-Link wird gleich gesetzt»-Buttons versteckt, sabotiert die eigene Konversion.

Mobile-unoptimierte Site. 65 Prozent des Traffics 2026 kommen von Mobile. Wer auf Smartphones lange Ladezeiten, unbedienbare Buttons oder unleserliche Tabellen hat, verliert 50 bis 80 Prozent möglicher Konversionen.

Fehlende Werbe-Kennzeichnung führt zu Abmahnungen mit 800 bis 5.000 Euro Kosten pro Verstoß. Die einmalige Investition in saubere rechtliche Aufstellung lohnt sich strukturell.

Kein E-Mail-Aufbau. Wer nur Direkt-Affiliate-Klicks generiert ohne E-Mail-Liste, baut keinen langfristigen Asset auf. Bei Google-Algorithmus-Updates oder Programm-Änderungen verliert man dann alles auf einmal.

💬 Meine Einschätzung

Aus 12 Jahren E-Commerce und dem Aufbau eines Portfolios mit dutzenden Affiliate-Sites: die meisten Solopreneure unterschätzen das Volumen-Element. Affiliate funktioniert in der Praxis selten als «eine Site bringt 5.000 Euro monatlich» — sondern als «20 Sites bringen je 250 bis 800 Euro». Wer 12 spezialisierte Nischen-Sites über 24 Monate aufbaut, hat strukturell einen robusteren Cashflow als wer eine «große» Affiliate-Site versucht. Die schmerzhafte Lehre: Skalierung in Affiliate-Marketing funktioniert nicht über Größe pro Site, sondern über Anzahl der Sites mal Authority pro Site. Diese Erkenntnis verändert die strategische Planung komplett — von einer Site bauen hin zu einem Portfolio bauen.

✓ Das Wichtigste in Kürze

  • Vier dominierende DACH-Programme 2026: Amazon PartnerNet, Awin, Digistore24, Belboon
  • Provisions-Sätze: 3–12 % bei Amazon, 8–25 % bei Awin, 30–70 % bei Digistore24
  • Beste Site-Typen: Vergleichs-Portale, spezialisierte Magazine, lokale Verzeichnisse, Review-Sites
  • Rechtliche Pflichten: Werbe-Kennzeichnung, Impressum, Datenschutz, steuerliche Erfassung
  • Realistische Erträge: 0–500 € in ersten 6 Monaten, 500–3.000 € nach 12 Monaten, bis 8.000 € nach 24 Monaten
  • Skalierung: über Anzahl spezialisierter Sites, nicht über Größe einer einzigen Site

Häufige Fragen zu Affiliate Marketing für Selbstständige

Wie viel Eigenkapital brauche ich für eine Affiliate-Site?

Sehr wenig. Domain plus Hosting kosten 30 bis 100 Euro jährlich. WordPress als CMS ist kostenlos. SEO-Tools optional 50 bis 200 Euro monatlich. Wer mit eigenem Content startet, braucht hauptsächlich Zeit — 8 bis 12 Monate für stabilen Cashflow. Wer outsourcen will, kalkuliert 100 bis 250 Euro pro Artikel.

Welche Nische passt zu mir?

Drei Fragen helfen bei der Entscheidung: In welcher Branche kennst du dich nachweislich aus? Welches Thema interessiert dich nachhaltig genug für 12 bis 24 Monate intensiver Arbeit? Welche Produkte werden in deiner Wunsch-Nische bezahlt? Wer eine starke fachliche Verbindung mit einer kaufkräftigen Nische findet, hat die beste Ausgangsposition.

Lohnt sich Amazon-Affiliate noch 2026?

Ja, aber nur in bestimmten Konstellationen. Bei Produkten mit hoher Marge (50+ Euro Verkaufspreis), hohen Stückzahlen oder als Ergänzung zu Premium-Programmen funktioniert Amazon. Bei Niedrigpreisprodukten oder als alleiniger Affiliate-Kanal lohnt es sich seltener als zuvor — die Provisionen wurden in den letzten Jahren mehrfach gesenkt.

Wie viele Klicks brauche ich für realistische Einnahmen?

Faustregel: bei 4 % Konversionsrate und durchschnittlich 30 Euro Provision pro Sale ergeben 1.000 monatliche Klicks rund 1.200 Euro Einnahmen. 1.000 Klicks erreicht man mit einer Site mit 12.000 monatlichen Besuchern bei 8 % Klick-Rate. Diese Zahlen sind realistisch nach 12 bis 18 Monaten konsequenter Arbeit.

Kann ich auch ohne eigene Webseite Affiliate machen?

Theoretisch ja — über Social Media, Newsletter, YouTube. Praktisch ist die eigene Webseite das robusteste Fundament, weil sie unabhängig von Plattform-Algorithmus-Wechseln ist. Wer ohne eigene Site arbeitet, ist permanent abhängig von Drittparteien.

Welche Tools brauche ich wirklich?

Drei Tool-Kategorien reichen: ein SEO-Tool (Ahrefs oder DataForSEO für Keyword-Recherche), ein Analytics-Tool (Google Search Console plus Plausible), ein Affiliate-Tracking-Tool (Pretty Links oder ThirstyAffiliates als WordPress-Plugin). Tools darüber hinaus sind in den meisten Fällen Overhead.

Quellen

  • Amazon PartnerNet — Programmbedingungen Deutschland, Stand 2026
  • Awin Group — Performance Marketing Trends Report 2026
  • Digistore24 — Marktplatz-Statistiken DACH-Region 2025
  • Belboon — Affiliate-Netzwerk-Bedingungen, Stand 2026
  • IHK Berlin — Rechtliche Pflichten beim Affiliate-Marketing, Stand 2025
  • BGH-Urteil zu Werbe-Kennzeichnung in Affiliate-Marketing, 2021