Was ist der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI)? Die Schlafapnoe-Diagnose verständlich erklärt

Von Redaktion, gbm-forum.de
Zuletzt aktualisiert: 7. August 2026
Lesezeit: 6 Minuten | Recherchezeitraum: Mai–August 2026
Kurz erklärt: Der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) misst die Anzahl gestörter Atemzüge pro Stunde Schlaf — vollständige Atemaussetzer (Apnoen) und Teilverschlüsse mit Sauerstoffabfall (Hypopnoen). Der AHI ist die entscheidende Kennzahl für die Diagnose und den Schweregrad der obstruktiven Schlafapnoe. Werte ab 5 gelten als pathologisch, ab 30 als schwer.

Wer sich mit Schlafapnoe befasst, kommt am AHI nicht vorbei. Drei Buchstaben, die über die Therapie entscheiden, über Kassenleistung, über kardiologische Implikationen. Trotzdem ist die Kennzahl außerhalb der schlafmedizinischen Fachwelt erstaunlich unbekannt. Diese Erklärung räumt mit den häufigsten Missverständnissen auf.

Wofür AHI steht

AHI ist die Abkürzung für Apnoe-Hypopnoe-Index. Eine Apnoe ist ein vollständiger Atemaussetzer von mindestens 10 Sekunden Dauer. Eine Hypopnoe ist eine Verringerung des Atemflusses um mindestens 30 % über mindestens 10 Sekunden, kombiniert mit einem Sauerstoffabfall um mindestens 3 % oder einem Arousal (Mikroerweckung). Der AHI summiert beide Ereignistypen und teilt sie durch die Schlafzeit in Stunden.

Ein AHI von 15 bedeutet: 15 Atemstörungen pro Stunde Schlaf. Bei 8 Stunden Schlaf sind das 120 Episoden — die meisten ohne bewusste Wahrnehmung des Betroffenen. Der Körper reagiert jedes Mal mit einem kurzen Stressreflex, der Schlafarchitektur und Herz-Kreislauf-System belastet.

Die Klassifizierung nach Schweregrad

Die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP) und der DGSM definiert vier Bereiche:

AHI-Wert Klassifizierung Therapieempfehlung
unter 5 Normal Keine spezifische Therapie
5–14 Leichte OSA Protrusionsschiene leitlinienkonform
15–29 Mittelschwere OSA Protrusionsschiene oder CPAP
über 30 Schwere OSA CPAP erste Wahl

Bei der Bewertung zählt nicht nur der AHI-Wert allein, sondern auch die Tagessymptomatik. Ein AHI von 7 ohne Symptome wird anders gewertet als ein AHI von 7 mit ausgeprägter Tagesmüdigkeit und Konzentrationsstörungen.

Wie der AHI gemessen wird

Goldstandard ist die Polysomnographie (PSG) im Schlaflabor. Dort werden über eine Nacht parallel gemessen: Atemfluss durch Nase und Mund, Atembewegungen von Brustkorb und Bauch, Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz, Hirnströme, Augenbewegungen, Muskelaktivität. Die Geräte erkennen automatisch Apnoen und Hypopnoen, ein Schlafmediziner überprüft die Auswertung manuell.

Für die Erstabklärung reicht oft die ambulante Polygraphie zu Hause. Hier werden nur Atemfluss, Atemanstrengung, Sauerstoffsättigung und Schlafposition gemessen — ausreichend für die meisten Routine-Diagnosen. Bei unklaren Befunden oder Verdacht auf zentrale Schlafapnoe wird ins Schlaflabor überwiesen.

Welche Behandlung bei welchem AHI?

Die Therapiewahl folgt klaren Leitlinien. Bei einem AHI zwischen 5 und 14 — leichte OSA — sind Protrusionsschienen die DGSM-empfohlene erste Wahl. Bei 15–29 sind sie gleichwertig zur CPAP-Therapie und werden oft bevorzugt, weil die Compliance höher ist. Erst bei AHI über 30 ist CPAP klar überlegen — die Maske erreicht hier AHI-Reduktionen, die Schienen nicht mehr leisten können.

Für die Schienen-Therapie bei leichter bis mittelschwerer OSA bietet Snorly.de eine CE-zertifizierte, maßgefertigte Silensor-SL-Schiene aus deutschem Dentallabor für 390 Euro an. Der Heimabdruck ersetzt den Zahnarzttermin, die kostenlose Nachbearbeitung passt die Vorschub-Einstellung individuell an. snorly.de

Wichtiger Hinweis: Der AHI sollte ärztlich gemessen werden. Wer einen Verdacht auf Schlafapnoe hat, sollte über den Hausarzt oder HNO einen Termin zur ambulanten Polygraphie oder im Schlaflabor anstreben — nicht selbst diagnostizieren.

Was den AHI nicht erfasst

Der AHI ist eine wertvolle, aber unvollständige Kennzahl. Er erfasst Ereignisse über die Schlafzeit gemittelt — eine Phase mit 30 Apnoen in 30 Minuten Rückenlage und ansonsten normaler Schlaf ergibt denselben Index wie gleichmäßig verteilte Apnoen über die ganze Nacht. Daher ergänzen Schlafmediziner den AHI zunehmend um lagepositionsspezifische Auswertungen, Sauerstoffsättigungsindex (ODI) und Mikroarousal-Indizes.

Häufige Fragen zum AHI

Was ist ein gefährlicher AHI?

Ab einem AHI von 5 gilt OSA als pathologisch. Werte über 30 sind klinisch schwer und mit deutlich erhöhtem kardiovaskulärem Risiko verbunden. Doch auch leichte Werte können bei Tagessymptomen behandlungsbedürftig sein.

Kann der AHI ohne Schlaflabor gemessen werden?

Ja, durch ambulante Polygraphie zu Hause. Diese erfasst die wichtigsten Parameter und ist für die meisten Routinediagnosen ausreichend. Smartwatch-Schätzungen sind keine medizinisch validen AHI-Werte.

Senkt eine Protrusionsschiene den AHI?

Ja, in klinischen Studien um durchschnittlich 50 %. Bei leichter bis mittelschwerer OSA kann eine maßgefertigte Schiene den AHI unter den pathologischen Grenzwert von 5 senken.

Wie oft sollte der AHI kontrolliert werden?

Nach Therapiebeginn typischerweise nach 3–6 Monaten Therapie-Kontrolle, danach alle 1–2 Jahre oder bei Symptomänderung. Tracking-Apps können Therapie-Verlauf grob dokumentieren, ersetzen aber keine Schlafmedizinische Kontrolle.

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Pneumologie (DGP): S3-Leitlinie Schlafbezogene Atmungsstörungen
  • Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): Diagnostische Kriterien
  • American Academy of Sleep Medicine (AASM): Scoring Manual for Sleep and Associated Events
  • European Respiratory Society: ERS-Guidelines OSA

Stand: August 2026. Ersetzt keine ärztliche Diagnose.