Wer als Unternehmer einen neuen Standort sucht oder seinen bestehenden Betrieb in der Region Allgäu konsolidieren will, kommt an Memmingen kaum vorbei. Die Stadt hat sich in den vergangenen Jahren konsequent als Gewerbestandort positioniert: günstige Verkehrsanbindung, verfügbare Gewerbeflächen und eine Stadtverwaltung, die Ansiedlungsverfahren vergleichsweise zügig abwickelt. Doch gute Lage allein reicht nicht. Für KMU sind die konkreten Zahlen entscheidend.
Gewerbesteuer: Was der Hebesatz tatsächlich bedeutet
Der Gewerbesteuerhebesatz in Memmingen liegt derzeit bei 340 Prozent. Das ist im bundesweiten Vergleich moderat. Zum Verständnis: München erhebt 490 Prozent, Augsburg 440 Prozent. Ein Gewerbebetrieb mit einem Gewerbeertrag von 200.000 Euro zahlt in Memmingen rechnerisch rund 18.200 Euro Gewerbesteuer, in München wären es knapp 26.500 Euro. Der Unterschied summiert sich über mehrere Jahre zu einem spürbaren Liquiditätsvorteil, den viele Gründer bei ihrer Standortentscheidung unterschätzen.
Wichtig für die Planungsrechnung: Der Gewerbesteuermessbetrag ergibt sich nach Abzug des Freibetrags von 24.500 Euro für Einzelunternehmen und Personengesellschaften. Kapitalgesellschaften erhalten keinen Freibetrag. Wer seinen Betrieb als GmbH führt, sollte das bei der Steuerplanung berücksichtigen und frühzeitig prüfen, ob die Rechtsform noch zur tatsächlichen Unternehmensstruktur passt.
Grundsteuer B und Gewerbeflächenpreise
Neben der Gewerbesteuer belastet die Grundsteuer B die laufenden Kosten von Betrieben mit eigenem Grundbesitz. In Memmingen liegt der Hebesatz bei 370 Prozent. Nach der bundesweiten Grundsteuerreform, die ab 2025 greift, sind die endgültigen Belastungen für Gewerbeobjekte in vielen Kommunen noch nicht vollständig absehbar, da die neuen Grundsteuerwerte und kommunalen Hebesatzentscheidungen teils noch nachjustiert werden.
Bei den Kaufpreisen für Gewerbeflächen bewegt sich Memmingen im Bereich von 120 bis 180 Euro pro Quadratmeter für erschlossene Industriegebiete, abhängig von Lage und Erschließungsstand. Mieten für Gewerbeeinheiten in etablierten Lagen liegen zwischen 7 und 11 Euro pro Quadratmeter, was deutlich unter den Preisen in Ulm oder Augsburg bleibt.
Infrastruktur und Fachkräfteversorgung
Memmingen verfügt über einen eigenen Flughafen, den Allgäu Airport, der vor allem für Unternehmen mit regelmäßigem Reisebedarf in europäische Destinationen relevant ist. Die Autobahnanschlüsse an A7 und A96 ermöglichen schnelle Verbindungen nach München, Stuttgart und in die Schweiz. Für Logistikbetriebe ist das ein klares Argument.
Als kreisfreie Stadt mit rund 45.000 Einwohnern und starkem Umland ist Memmingen ein Mittelzentrum mit eigenem Arbeitsmarkt, der vor allem durch das produzierende Gewerbe, den Maschinenbau und Dienstleistungsunternehmen geprägt wird. Die Arbeitslosenquote lag zuletzt unter 3 Prozent, was einerseits für wirtschaftliche Stabilität spricht, andererseits die Fachkräftesituation für neue Betriebe herausfordernd macht. Wer spezialisiertes Personal benötigt, sollte Rekrutierungskosten und mögliche Relocation-Budgets von Anfang an einkalkulieren.
Steuerliche Strukturüberlegungen für KMU
Die Wahl der Rechtsform beeinflusst die Steuerbelastung am Standort erheblich. Drei Konstellationen sind in der Praxis besonders relevant:
- Einzelunternehmen und GbR: Gewerbesteuer wird nach § 35 EStG auf die Einkommensteuer angerechnet, bis zu einem Anrechnungsfaktor von 3,8. Bei einem Hebesatz von 340 Prozent ergibt sich eine nahezu vollständige Anrechnung, was die tatsächliche Mehrbelastung durch die Gewerbesteuer in diesen Fällen auf nahe null reduziert.
- GmbH: Körperschaftsteuer (15 Prozent) plus Solidaritätszuschlag plus Gewerbesteuer ergeben eine effektive Gesamtbelastung auf Unternehmensebene von rund 28 bis 30 Prozent. Thesaurierungseffekte können die Liquidität im Unternehmen stärken, solange keine Ausschüttung erfolgt.
- GmbH & Co. KG: Ermöglicht in bestimmten Konstellationen die Nutzung des Freibetrags bei der Gewerbesteuer, kombiniert mit der Haftungsbeschränkung der GmbH. Für mittelständische Familienbetriebe häufig eine sinnvolle Struktur, die aber laufend steuerlich geprüft werden sollte.
Investitionsabzugsbetrag und Sofortabschreibung
Für Betriebe mit einem Betriebsvermögen unter 235.000 Euro (Bilanzierung) oder einem Gewinn unter 200.000 Euro (EÜR) besteht die Möglichkeit, nach § 7g EStG bis zu 50 Prozent der geplanten Investitionskosten vorab als Betriebsausgabe abzuziehen. Bei einer geplanten Maschinenanlage für 80.000 Euro lassen sich so 40.000 Euro den Gewinn mindern, bevor die Investition überhaupt getätigt wird. Das schont den Cashflow erheblich und ist ein Instrument, das in der Beratungspraxis häufig zu wenig genutzt wird.
Ergänzend gilt für geringwertige Wirtschaftsgüter bis 800 Euro netto die Sofortabschreibung. Sammelposten für Güter zwischen 250 und 1.000 Euro werden über fünf Jahre linear abgeschrieben, sofern man nicht die GWG-Regelung wählt. Diese scheinbar kleinen Entscheidungen summieren sich in der Jahressteuerlast.
Förderprogramme und Beratungsangebote vor Ort
Das Wirtschaftsförderungsamt der Stadt Memmingen betreut Ansiedlungsprojekte und vermittelt Kontakte zu Grundstückseigentümern im Stadtgebiet. Ergänzend bietet die IHK Schwaben am Standort Memmingen Beratungsleistungen für Existenzgründer und Unternehmen in der Wachstumsphase an, darunter Finanzierungsberatung und Vermittlung von Förderprogrammen der LfA Förderbank Bayern.
Auf Bundesebene sind für KMU in Memmingen vor allem das ERP-Gründerkredit-Programm der KfW sowie der KfW-Unternehmerkredit relevant. Letzterer ermöglicht zinsgünstige Finanzierungen bis zu 25 Millionen Euro, wobei die Hausbank als Durchleitungsinstitut fungiert. Der Zugang hängt wesentlich von der Bonität und dem Unternehmensalter ab.
Fazit: Standort mit Substanz, aber mit Augenmaß wählen
Memmingen bietet 2026 ein Gesamtpaket, das für viele KMU attraktiv ist: niedrige Gewerbesteuerbelastung im Vergleich zu Ballungszentren, verfügbare Flächen, gute Verkehrslage und eine überschaubare Verwaltungsstruktur. Wer allerdings hochqualifiziertes Personal in Spezialberufen benötigt oder auf ein dichtes Netzwerk von Technologiepartnern angewiesen ist, wird die Nähe zu München oder Stuttgart abwägen müssen.
Für produzierende Betriebe, Handwerksbetriebe mit Wachstumsambitionen und Dienstleister, die regionale Märkte im Allgäu und in der angrenzenden Bodenseeregion bedienen wollen, ist Memmingen ein ernstzunehmender Standort. Die steuerlichen Rahmenbedingungen unterstützen diese Einschätzung, wenn sie mit einer klaren Rechtsform- und Finanzierungsstrategie kombiniert werden.


