Brauche ich als Etsy-Verkäuferin wirklich einen Steuerberater?

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  • #68
    Sandra AvatarSandra
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    Hallo zusammen, ich verkaufe seit 3 Jahren Schmuck auf Etsy und mache mittlerweile ca. 28.000 € Umsatz pro Jahr. Bisher hab ich alles selber gemacht — Einnahmen-Überschuss-Rechnung, USt-Voranmeldung, alles.

    Jetzt überlege ich, ob ich mir endlich einen Steuerberater suchen sollte. Die Frage ist: Lohnt sich das bei meiner Umsatzgröße überhaupt? Mein Mann sagt, das sind nur Kosten ohne Nutzen. Aber irgendwie hab ich immer ein mulmiges Gefühl bei der Steuererklärung.

    Wie macht ihr das? Selber oder Berater?

    #70
    Tom B. AvatarTom B.
    Teilnehmer

    Hi Sandra, ehrlich? Bei 28k Umsatz ist ein Steuerberater nicht zwingend notwendig — aber ich würde dir trotzdem raten, einmal jährlich für die Steuererklärung einen zu nehmen. Kostet vielleicht 600-900 € im Jahr, aber die finden in der Regel mindestens das doppelte an Optimierungspotenzial.

    Was ich übrigens spannend finde: Wenn du dich beim Steuerberater ein paar Stunden hinsetzt, lernst du in 2-3 Jahren so viel, dass du danach selber besser bist als die meisten Buchhaltungssoftware-Nutzer.

    #71
    Christoph Müller AvatarChristoph Müller
    Teilnehmer

    Sehr geehrte Sandra, als Steuerberater muss ich natürlich vorbelastet sein bei dieser Frage. Aber ich versuche es ehrlich:

    Bei 28.000 € Umsatz als Einzelunternehmerin liegen Sie eindeutig oberhalb der Kleinunternehmer-Grenze (22.000 € Vorjahr). Das bedeutet:

    • Umsatzsteuer-Pflicht mit allen damit verbundenen Themen (Vorsteuer, OSS-Verfahren bei EU-Etsy-Kunden, ggf. Reverse Charge bei Materialeinkauf aus dem Ausland)
    • Ab 80.000 € Gewinn auch Bilanzierungspflicht
    • Etsy-spezifisch: Die Auswertung der Etsy-Reports erfordert Übung — Etsy verrechnet bereits einbehaltene USt, das wird oft falsch gebucht

    Mein praktischer Rat: Sie können die laufende Buchhaltung weiter selbst machen, aber die Jahreserklärung sollten Sie professionell prüfen lassen. Kostet ca. 800-1.200 € — und meine Erfahrung ist, dass wir bei Etsy-Verkäufern fast immer Korrekturen finden, die diesen Betrag rechtfertigen.

    Die Aussage Ihres Mannes kann ich aus Beratersicht so nicht stehen lassen. ;-)

    #72
    Sandra AvatarSandra
    Teilnehmer

    @Christoph oh wow, das mit der Etsy-USt habe ich tatsächlich falsch gemacht — ich habe IMMER die Bruttoumsätze als steuerpflichtig gemeldet, ohne die einbehaltene USt rauszurechnen. Das heißt ich habe zu viel USt abgeführt? 😱

    Danke euch beiden, ich glaube ich nehme das jetzt ernst und such mir wirklich einen Berater. @Tom guter Punkt mit dem „selber lernen“ — genau das war eigentlich mein Plan, aber irgendwie habe ich es immer aufgeschoben.

    #73
    Anya K. AvatarAnya K.
    Teilnehmer

    Sandra, schau auch mal bei Lexware Office oder Sevdesk — die haben mittlerweile ganz gute integrierte Lösungen mit Steuerberater-Anbindung. Du machst die laufende Buchhaltung in der Software, der Berater hat per Klick Zugriff für die Jahreserklärung. Das spart Hin-und-Her und Mappenwälzen.

    #74
    Felix Herrmann AvatarFelix Herrmann
    Teilnehmer

    Sandra, ich kann dir aus meiner Restaurantzeit nur sagen: Steuerberater ist nicht „Kosten ohne Nutzen“, sondern Versicherung. Wenn das Finanzamt anklopft, willst du jemanden haben, der zwischen dir und denen steht. Bei meinem letzten Restaurantverkauf hat mein StB allein im Kaufvertrag eine Klausel rausverhandelt, die mir 14.000 € erspart hat. Die 900 € Jahresgebühr waren danach nie wieder ein Thema.

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